Laktoseintoleranz

Milch unter Verdacht

Geschätzte Lesedauer: 2.30 Min.

Unzählige Menschen kennen das Problem: Nach einem Glas Milch, einem Cappuccino oder einem Becher Joghurt rumort der Magen. Kurz darauf folgen Bauchschmerzen nach dem Essen, Blähungen oder Durchfall. Der Grund dafür ist nicht selten eine Laktoseintoleranz. Wenn Laktose unseren Darm in Aufruhr versetzt liegt das daran, dass der Körper bestimmte Enzyme nicht richtig aufspalten kann. Wie eine Laktoseintoleranz entsteht und worauf Sie bei Ihrer Ernährung zu achten haben, lesen Sie hier.

 

Was geschieht bei einem Laktasemangel?

Bei einem laktoseintoleranten Menschen ist wegen eines Enzymmangels das Enzym Laktase nicht oder nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Deshalb gelangt der Milchzucker ungeteilt in den Dickdarm.

Die dort ansässigen Bakterien bauen die Laktose dann unter verstärkter Bildung von Gasen und kurzkettigen Fettsäuren ab. Dadurch werden die typischen Symptome der Laktoseintoleranz ausgelöst. Man spricht deshalb auch von „Milchzuckerunverträglichkeit“ oder vereinfacht von „Milchunverträglichkeit“.

 

Normalfall

Das Enzym Laktase spaltet Laktose (Milchzucker) in Glukose und Galaktose, die von der Darmschleimhaut aufgenommen werden. Dieser Vorgang findet bereits im Dünndarm statt.

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Bei der Laktoseintoleranz oder Laktoseunverträglichkeit handelt es sich um die am weitesten verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit in der westlichen Bevölkerung.

Milchprodukte mit Lactose

Bis zu 30 % der Menschen sind davon betroffen. Eine Laktoseintoleranz äußert sich typischerweise durch Verdauungsprobleme, die sich nach dem Genuss von Milchprodukten einstellen.

Unbedingt abzugrenzen ist die Laktoseintoleranz von der Milcheiweißallergie, die vorwiegend bei Kindern auftritt. Durch die Beteiligung des Immunsystems können bei ihnen schon kleine Mengen Milcheiweiß zu Unverträglichkeitsreaktionen führen.

Die gute Nachricht: Betroffene einer Laktoseintoleranz können ihre Darmprobleme in den meisten Fällen durch laktosefreie Lebensmittel in den Griff bekommen. Sich laktosefrei oder mit Alternativen zu ernähren ist jedoch grundsätzlich nur zu empfehlen, wenn auch eine Unverträglichkeit diagnostiziert wurde. Aber wie entsteht eigentlich eine Laktoseintoleranz?

 

Ursachen der Laktoseintoleranz

Grund für eine Laktoseintoleranz ist der Mangel oder das Fehlen des Enzyms Laktase, das die Laktose aufspaltet. Dafür gibt es zwei Hauptursachen:

Primäre Laktoseintoleranz

Die primäre Laktoseintoleranz, auch als primärer Laktasemangel oder Hypolaktasie bezeichnet, ist genetisch bedingt und verursacht, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter die Fähigkeit einbüßen, Laktose zu verdauen. Die Aktivität der Laktase verringert sich im Laufe des Lebens.

Erwachsene können Milchprodukte deshalb oft nicht mehr beschwerdefrei zu sich nehmen. Deutlich seltener ist die Alaktasie, bei der das Enzym Laktase von Geburt an gänzlich fehlt und es daher ab dem Säuglingsalter einer ärztlichen Behandlung bedarf.

Darmbakterien

Sekundäre Laktoseintoleranz

Ursache für die sekundäre Laktoseintoleranz hingegen ist eine geschädigte Darmschleimhaut, z.B. durch Medikamenteneinnahme oder Erkrankungen. Dazu zählen die Glutenunverträglichkeit, Infektionen oder entzündliche Darmerkrankungen. Im Gegensatz zur genetisch bedingten Ausprägung endet die sekundäre Laktoseintoleranz im Regelfall, sobald der Darm wieder normal funktioniert.

Laktoseintoleranz bei Babys und kleinen Kindern

Auch Babys und kleine Kinder sind grundsätzlich nicht vor einer Laktoseintoleranz gefeit. Mit einer möglichen Häufigkeit von nur 1 bis 3 % kommt sie bei ihnen jedoch eher selten vor. In den meisten Fällen leiden Babys höchstens an einer vorübergehenden Unverträglichkeit, für die der noch nicht vollständig ausgebildete Darmtrakt verantwortlich ist. Eine bleibende Unverträglichkeit tritt meist erst zwischen dem fünften und dem zwanzigsten Lebensjahr auf.

Ernährung bei Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz ist in der Regel noch eine gewisse Restaktivität des Enzyms Laktase vorhanden. Daher muss nicht vollkommen auf Milchprodukte verzichtet werden. Vielmehr sollte die individuelle Toleranzgrenze für Laktose ermittelt werden.

Milchalternativen bei Laktoseintoleranz

Zu diesem Zweck wird zunächst ein Bogen um Milchprodukte und andere laktosehaltige Lebensmittel gemacht, bevor die persönliche Verträglichkeit verschiedener Lebensmittel getestet wird.

Die Behandlung der Laktoseintoleranz liegt anschließend darin, die individuelle Toleranzgrenze nicht zu überschreiten. Zu diesem Zweck können Milchalternativen, wie pflanzliche Drinks oder laktosefreie Produkte, in den Speiseplan integriert werden.

Die Verträglichkeit ist dabei individuell unterschiedlich: Viele Betroffene haben beispielsweise weniger Beschwerden bei sauren oder probiotischen Milchprodukten, aufgrund der enthaltenen Milchsäurebakterien. Hilfreich ist unter Umständen auch die Einnahme von sogenannten Laktase-Tabletten. Diese Enzympräparate können Beschwerden vorbeugen, wenn sich Laktose nicht vermeiden lässt.

Quellen:

Stada: Patientenratgeber „Gesunde Verdauung gesundes Leben

Verein für unabhängige Gesundheitsberatung: Milch unter Verdacht. https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/milch-unter-verdacht/ (Abgerufen am 10.03.2020)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Essen und Trinken bei Lactoseintoleranz. https://www.dge.de/presse/pm/essen-und-trinken-bei-lactoseintoleranz/ (Abgerufen am 10.03.2020)

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